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Sieben
Hügel. Bilder
und Zeichen des 21. Jahrhunderts
Die Vielfalt der Arten und Formen im Tier- und Pflanzenreich scheint unermesslich. Weltweit arbeiten Forscher an einer Bestandsaufnahme der Biodiversität. Ziel ist die Erfassung aller Arten der Erde, von denen erst ein Bruchteil bekannt sind. Betrachtet der Mensch die Natur und versucht er sie abzubilden, bleibt es allerdings stets bei Ausschnitten aus der ungeheuren Komplexität des Lebens. Dabei sind die Sichtweisen auf die Natur und deren künstlerische Umsetzung ebenso facettenreich wie die Natur selbst. Diese wissenschaftlichen und künstlerischen Versuche, die Vielfalt des Lebens zu erfassen, trugen gleichermaßen zur Natur- und Kunstgeschichte bei. Ob als Quell medizinischen Fortschritts oder als Ursprung ästhetischen Empfindens Natur wird aus wirtschaftlicher Sicht inzwischen genauso geschätzt wie um ihrer selbst Willen. Während Naturschützer den Wert des Lebens an sich an erste Stelle setzen, betrachten viele Pharmafirmen die Regenwälder als genetische und ökonomische Ressource, die es zu erschließen gilt. Gen's Thierleben (Raum 3) Die Illustration
des Lebendigen war in vergangenen Epochen rein beschreibend und statisch.
Das schien zunächst zu genügen, um die Natur überhaupt
in ihrer Fülle erfassen zu können. Die breite Palette der Lebewesen
beschäftigte denn auch zahlreiche Zeichner, die den privaten und
wissenschaftlichen Sammeleifer zu befriedigen suchten. Schließlich
ließen sich viele der exotischen Geschöpfe nicht unbegrenzt
aufbewahren, sollten aber dennoch möglichst exakt dokumentiert werden. Wal-Verwandtschaften (Raum 4) Wieviel Mensch steckt im Tier und wieviel Tier ist der Mensch? Die mitunter sehr dünne Trennlinie zwischen Mensch und Tier ist kaum eindeutig zu definieren. Macht die Frage danach überhaupt noch Sinn im Lichte der modernen Verhaltensforschung? War die Suche nach der Existenz der "Tierseele" bei den Philosophen des 18. Jahrhunderts noch umstritten, wurde sie im 19. Jahrhundert in der zoologischen Literatur zu einer Selbstverständlichkeit. Heute scheint das wissenschaftliche Bestreben, die Ähnlichkeit zwischen Tier und Mensch hervorzuheben, stärker denn je. Fähigkeiten wie der Gebrauch von Werkzeugen, komplexes Lernen und einfache Sprache sind längst bei Tieren nachgewiesen. Delphine beispielsweise zeigen differenzierte Lautäußerungen und leben in komplexen Sozialstrukturen. Schimpansen sind fähig, per Zeichensprache mit Menschen zu kommunizieren. Und auf der genetischen Ebene stehen uns selbst die meist wenig geliebten Insekten näher als gemeinhin angenommen. Werden Biologen in Zukunft die speziellen Gene finden, die uns zu Menschen machen? Und welche Folgen hat dies für das menschliche Selbstverständnis? Die Augen der Göttin (Raum 5) Die indische
Göttin Kali vereint in sich die gegensätzlichen Aspekte des
Werdens, Bewahrens und Zerstörens. In ihrer Widersprüchlichkeit
steht sie hier als Metapher für das Verhältnis des Menschen
zur Natur. Der Name Kali leitet sich ab von "Kala" der Zeit, die
alles hervorbringt und alles verschlingt. Nach der Überlieferung
wurde die Göttin im Kampf gegen Dämonen zum Leben erweckt. Sie
ist im Besitz unkontrollierbarer Kräfte und benimmt sich in jeder
Hinsicht extrem. Einerseits wird die Schwarze Göttin zur Retterin
des Kosmos erhöht und die Götter rufen ihre Hilfe an. Andererseits
beginnt sie, einmal vom Rausch der Zerstörung ergriffen, die ganze
Welt zu vernichten. Erst der Gott Shiva kann sie in Gestalt eines Säuglings
als Sinnbild für den Neubeginn stoppen. Die große
Mutter, Symbol der grauenerregenden Aspekte der Natur, sichert Verehrern
ihren Schutz zu. Sie ist somit zugleich anziehend wie abstoßend.
Kali steht dabei wie die Natur über der menschlichen
Moral. Historische Darstellungen in Form von Skulpturen, Gemälden
und Miniaturen illustrieren die unterschiedlichen Facetten der schrecklich-schönen
Göttin. Cats and Chats Tiger im Netz (Raum 6) Der Tiger steht hier für die vom Aussterben bedrohten Tierarten Sinnbild der gefährdeten Natur. Drei der acht Tigerunterarten sind bereits ausgestorben, von den übrigen fünf leben nur noch wenige hundert Tiere zumindest in freier Wildbahn. Denn obwohl der Tiger das nächste Jahrhundert in der Wildnis möglicherweise nicht überleben wird, melden Zoos weltweit Zuchterfolge. Damit verlagert sich auch das Aufgabenfeld der Zoos: sie stehen heute nicht nur für die Art-Haltung zum Zwecke der Präsentation, sondern auch für die Art-Erhaltung. Eine High-Tech-Medizin sorgt für gezielte Nachzucht mittels Samenbanken und künstlicher Befruchtung. Das vom Zoo Leipzig geführte Weltzuchtbuch der Tiger dient als Grundlage des globalen Genpool-Managements. Dagegen zeichnen Bilder aus der Kolonialzeit, historische Gemälde und Tierpräparate ein Bild der Faszination, von uneingeschränkter Kraft, Wildnis und Exotik. Und Körperbestandteile des Tigers sind auf Schwarzmärkten hoch gehandelte Konsumprodukte. Der Glaube, sich Kraft durch den Verzehr von Tigerteilen aneignen zu können, ist in einigen Ländern noch heute ungebrochen. Natur in der Schublade (Raum 7) Wissenschaftliche
Sammlungen von Naturalien haben ihren Ursprung in Europas Kunst- und Wunderkammern
des 16. Jahrhunderts. Hier wurden Kunstwerke neben Naturzeugnissen und
allerlei Kuriositäten präsentiert. Eine erste allgemeingültige
Systematik für das Tier- und Pflanzenreich schuf Carl von Linn 1735
mit seinem Systema Naturae. Damit war der Grundstein für den
neuen Typus des Naturkundemuseums gelegt. Es gab nun eine Grammatik, mit
der sich alle Lebensformen in eine allgemein verständliche Sprache
bringen ließen. Biologische Sammlungen funktionieren noch heute
nach dem gleichen Prinzip. Wichtigste Grundlage bildet das Belegexemplar
einer Art, der Typus. Wie eine Art Urmeter dient dieser
Forschern in aller Welt als Referenz. Erst dadurch existiert eine Art
wissenschaftlich gesehen.
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Schreie
und Flüstern Gen's
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in der Schublade |
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